Dieses Thema unseres Pfarrers Rudolf Hagmann bei der Kolpingfamilie hat trotz bitterer Kälte überraschend viele Besucher angesprochen und wohl keiner von ihnen hat den Abend bereut, denn inzwischen ist es für uns schon fast Gewohnheit geworden, dass unser Seelsorger in freier Rede zu überzeugen und auch zu begeistern weiß. Dabei beginnt Hagmann keineswegs euphorisch, sondern verweist eingangs auf die Schieflage in der Kirche, die sich mit Vertrauensverlusten, Glaubwürdigkeit, Missbrauch und Austritt aus der Glaubensgemeinschaft konfrontiert sieht und viel Kredit verloren hat. So betrachtet werden die Begriffe „Kirche – Lust“ zu echtem Gegensatz.
Was also ist überhaupt Liebenswertes geblieben? Für Hagmann bedeutet Kirche Heimat, ein pilgerndes Volk, das trotz seiner vielfältigen Begabungen unfertig ist und sich ständig neu entwickeln, voneinander lernen muss. Er steht daher einem Perfektionismus, verordneten Dirigat kritisch gegenüber, verweist auf Orientierung am Evangelium und ist mehr besorgt um die Weitergabe des Glaubens – von Eltern vorgelebt, so, wie er es selbst dankbar erleben durfte.
Mag Kirche mal versöhnliche, mal ärgerliche Reaktionen zeitigen, so ist sie dennoch ein Hort, in dem der unvollkommene Mensch Heimat und Orientierung findet im Spannungsfeld zwischen Prinzipientreue und Barmherzigkeit. Wichtig zudem: Kirche lässt jedem einzelnen die Freiheit des Gewissens. Dieser selbst sollte sich deshalb selbst prüfen, wie sehr sein Verlangen nach dem Sakramentsempfang ist.
Hagmann ist froh, dass nicht nur die Kraft der Worte, sondern die Zeichen der Sakramente kostbare Edelsteine des Glaubens darstellen und Kirche nicht nur eine Moralanstalt ist. Er bedauert, dass in den Medien immer nur Negatives hochgeköchelt wird und das Positive bei der Gemeinschaft der Gläubigen in den Hintergrund gedrängt wird. Da sind die Feste im Kirchenjahr. Sie geben Strukturen im Leben, die der Seele gut tun. Da sind die vielen Menschen, die täglich wie Martinus den Mantel für den Nächsten teilen im Dienst der Diakonie gegen menschliche Amt. „Seht auch auf den Segen und nicht nur ständig auf die Schatten“, ermuntert der Referent, verweisend auf die Vielfalt in der Kirche, die von Heiligen bis zu Sündern reicht.
Kirche ist nicht perfekt, muss auch Vertrauen neu lernen im Gespräch mit der Welt, muss das Evangelium besser umsetzen, um richtige Lösungen nach Gotteswillen ringen, aus beengtem Blickwinkel heraustreten. Und nochmals Hagmanns große Sorge wie Anliegen: Die Weitergabe des Glaubens. „Was in Familien nicht geschieht, das ist unsere große Not. Wir können keinen Glauben machen. Sprecht miteinander darüber, was uns der Glaube bedeutet“, schloss Rudolf Hagmann geradezu beschwörend und hatte damit auch bereits ähnlich gelagerte Anliegen in der Diskussion vorab beantwortet.
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